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Interview mit Philipp Mißfelder

09.08.2005

Bei der Bundestagswahl am 18. September kandidiert Philipp Mißfelder für den Wahlkreis 122. Er will die Bürgerinnen und Bürger der Städte Recklinghausen, Castrop-Rauxel und Waltrop in Berlin vertreten.

„Deutschland muss wieder Wachstumsmotor werden“

Herr Mißfelder, mit welchen Themen wollen Sie den Wahlkampf bestreiten?

Philipp Mißfelder: Da ist zunächst das zentrale Thema Arbeit, das eng mit der Notwendigkeit einer neuen Wirtschaftspolitik und des Bürokratieabbaus verbunden ist. Leider kennt inzwischen jeder einen Verwandten oder Bekannten, der seine Arbeit verloren hat, keinen Ausbildungsplatz findet oder nach seiner Ausbildung nicht übernommen wurde. Diese Vergeudung von Potenzial, die hierbei entsteht, kann sich unser Land nicht länger leisten.
Nach Jahren des Stillstandes und der Stagnation muss deshalb das Wirtschaftswachstum angekurbelt, die Rekordverschuldung zurückgefahren und damit die Arbeitslosigkeit gesenkt werden. Dies ist das Hauptthema, das mir am Herzen liegt und für das ich arbeiten will: Deutschland muss die „Rote Laterne“ abgeben und wieder Wachstumsmotor in Europa werden. Zudem liegen meine Schwerpunkte in der Gesundheitspolitik und im gesamten Bereich der sozialen Sicherungssysteme. Der Wohlstand, den gerade auch die Menschen im Ruhrgebiet in harter Arbeit geschaffen haben, wird Stück für Stück verspielt. Wir leben inzwischen in vielen Bereichen von der Hand in den Mund. Hier ist ein Umsteuern nötig, hierfür möchte ich meinen Beitrag leisten.

Es wird viel von der demographischen Entwicklung gesprochen, die unser Land vor große Herausforderungen stellen wird. Was wollen Sie für Familien tun, damit sich Paare wieder häufiger für Kinder entscheiden?

Dieses wichtige Politikfeld steht leider völlig zu Unrecht noch hinter den „harten“ Themen wie Wirtschaft, Arbeit oder Finanzen zurück. Viele junge Menschen haben den Wunsch nach eigenen Kindern, bleiben im Laufe ihres Lebens aber dennoch kinderlos. Obwohl hierbei die Ursachen sehr unterschiedlich sind, zeigen doch Beispiele aus anderen Ländern, dass mit einer familien- und kinderfreundlichen Politik viel zu erreichen ist. Deshalb ist die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiges Thema meiner politischen Arbeit. Hier besteht großer Handlungsbedarf, denn die demographische Entwicklung lässt sich zwar nicht sofort stoppen, man kann ihr aber längerfristig entgegenwirken.

Sie sind in den Wahlkreis umgezogen. Was verbindet Sie mit unserer Region?

Ich bin ein Kind des Ruhrgebietes. Geboren in Gelsenkirchen und aufgewachsen in Bochum-Wattenscheid, habe ich den Strukturwandel in unserer Region miterlebt. Ich kenne die Menschen hier und weiß, was sie beschäftigtDabei bin ich kein Durchreisender, sondern werde hier Wurzeln für mein zukünftiges Leben schlagen. Mit dieser Aussage bin ich angetreten und dazu stehe ich: Im vergangenen Monat habe ich meine Möbel in den Umzugswagen geladen und freue mich, nun Vestianer zu sein.

Wie werden Sie sich im Deutschen Bundestag für die Menschen im Vest einsetzen?

Leider liegt die Arbeitslosigkeit im Vest über dem Durchschnitt unseres Landes. Damit werde ich mich nicht abfinden, denn die Städte Recklinghausen, Waltrop und Castrop-Rauxel verfügen über ein großes Potenzial, das aufgrund einer verfehlten Wirtschafts- und Finanzpolitik sozialdemokratisch geführter Regierungen nur unzureichend zur Entfaltung kommen konnte. Eine hervorragende Verkehrsanbindung oder eine gesunde Branchenmischung sind klare Standortvorteile, die es zu nutzen gilt und die reale Chancen bieten. Auch wenn Politik alleine keine Arbeitsplätze schaffen kann, wird schon die Veränderung der Rahmenbedingungen einen Aufbruch bedeuten. Dafür möchte ich arbeiten, denn ich weiß: Unser Wahlkreis kann mehr!

Sie sind sehr jung für eine solche politische Aufgabe. Was sagen die Älteren zu Ihren Ambitionen?

In den vergangenen beiden Jahren habe ich viele Veranstaltungen zum Thema „Dialog der Generationen“ durchgeführt, da mich dies insbesondere als Christ sehr beschäftigt. Es gehört uneingeschränkt zu meinem politischen Leitbild, dass der Stärkere für den Schwächeren einzustehen hat. Diese Grundaussage des Christentums, die dem Gebot der Nächstenliebe entspringt, möchte ich wieder stärker in die gesellschaftliche Diskussion einbringen.
Was mein Alter betrifft, kann ich Professor Otto Wulff, Bundesvorsitzender der Senioren Union zitieren, der sagt: Niemand darf aufgrund seines Alters, ob zu alt oder zu jung, von politischer Verantwortung ausgeschlossen werden.
Ich lerne von Tag zu Tag, habe aber bereits vielfältige Erfahrungen gesammelt, die ich für den Wahlkreis in Berlin einbringen möchte: So gehöre ich seit sechs Jahren dem Bundesvorstand der CDU an, seit drei Jahren bin ich Bundesvorsitzender der Jungen Union. Ich habe neben meinem Studium gearbeitet und ein Buch geschrieben, das Kindern und Jugendlichen die Einführung des Euro erklärt.


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