Ein neuer Helmut Kohl?
Philipp Mißfelder: Fromm und politisch engagiert
„Wird dieser junge Mann der neue Helmut Kohl?“, fragte jüngst eine deutsche Boulevardzeitung. Gemeint ist der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Philipp Mißfelder, der auf dem Bundesparteitag der CDU ins Präsidium der größten deutschen Volkspartei gewählt wurde. Mit seinen 29 Jahren ist der überzeugte Christ das jüngste Mitglied, das je in diesem Gremium saß. Ein Porträt von Tobias-Benjamin Ottmar.
Fast wäre seine politische Karriere vorzeitig zu Ende gewesen. Als Philipp Mißfelder sich vor fünf Jahren dafür aussprach, 85-Jährigen beispielsweise keine künstlichen Hüftgelenke mehr zu finanzieren, brach ein Sturm der Entrüstung los. Mehrere Verbände forderten seinen Rücktritt als JU-Vorsitzender. Sogar Morddrohungen bekam er. Doch inzwischen haben die Alten ihm – zumindest in den eigenen Reihen – verziehen. Dass er nun in das oberste Führungsgremium der CDU gewählt wurde, hat er auch der Senioren-Union zu verdanken, die seine Kandidatur unterstützte.
Sein politisches Engagement beginnt 1993 mit dem Eintritt in die JU. Die Verdienste des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl um die Deutsche Einheit motivieren ihn dazu. Mit 16 wird er Mitglied der CDU. Seit 1999 gehört er zum Bundesvorstand der Partei. 2002 wurde er an die JU-Spitze gewählt. Mit dem Altkanzler Kohl ist er inzwischen gut befreundet, hat ihn schon mehrmals in seiner Heimat Ludwigshafen besucht. Dennoch scheut er den Vergleich: „Ich bin Philipp Mißfelder.“ Wichtig sei jetzt die Arbeit in der JU und dem Wirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestages, dem er seit 2005 angehört, sagt der gebürtige Gelsenkirchener gegenüber idealisten.net.
Kirchgang gehört dazu
Der Zwei-Meter-Mann ist ein Politiker mit klarem Profil: Sein christlicher Glaube dient ihm „als Kompass“. Als Beispiele nennt er sein Engagement gegen Spätabtreibung oder seine kritische Haltung zur Stammzellforschung mit menschlichen Embryonen. Auch für politische Gefangene macht er sich stark: So übernahm er bei einer Aktion der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte die Patenschaft für den kubanischen Journalisten und Christen Alejandro Gonzalez Raga. Dieser war im März 2003 aus politischen Gründen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden, kam aber Anfang dieses Jahres wieder frei.
Trotz seines vollen Terminkalenders gehört für den Katholiken der Kirchgang fest zum Programm. Allerdings gehe er nicht immer in die selbe Kirche, da er viel unterwegs sei. Sowohl bei den meisten Tagungen der JU als auch in seinem Wahlkreis, in Berlin oder anderen Orten gehöre aber der Sonntagsgottesdienst dazu. Sein Glaubensleben habe sich durch sein Leben als Berufspolitiker nicht verändert. Der Glaube sei aber „sicherlich neu geprüft“ worden.
Spätabtreibung und Sterbehilfe
Bei der Diskussion um eine gesetzliche Neuregelung von Spätabtreibungen unterstützt Mißfelder den Antrag seines Fraktionskollegen Johannes Singhammer, der mehr Beratung und eine Bedenkzeit fordert, bevor sich eine schwangere Frau eventuell zu einer Abtreibung entscheidet. Eigentlich wünschen sich Mißfelder und die JU aber ein Verbot von Abtreibungen nach der 22. Schwangerschaftswoche. Ausnahmen sollte es nur bei Vergewaltigung oder Lebensgefahr der Mutter geben, so ein JU-Beschluss von 2007.
Auch beim Thema Sterbehilfe bezieht Mißfelder klar Position: Bei einer Podiumsdiskussion zu den Herausforderungen der alternden Gesellschaft wandte sich der CDU-Politiker gegen eine Aussage des Altersforschers Paul Baltes (Berlin), der ein Optionsmodell forderte: Jeder solle selbst entscheiden können, wann das eigene Leben beendet werde solle. Dem hielt Mißfelder entgegen: „Wenn erst der Rubikon überschritten ist, würde der Druck auf den Einzelnen zunehmen, dem eigenen Leben ein Ende zu machen.“ Die Gesellschaft dürfe nicht entscheiden, welches Leben sie für lebenswert und welches für nicht lebenswert erachte.
Familienarbeit nichts wert?
In der Familienpolitik spricht sich Mißfelder wie viele andere Politiker für einen Ausbau der Betreuungsangebote für Ein- bis Dreijährige aus. Allerdings wendet er sich dagegen, dass man die Familie nur noch unter wirtschaftlichen und finanziellen Aspekten betrachtet. „Zu oft geht es in der familienpolitischen Debatte nicht darum, wie Kinder bei uns gut aufwachsen können, sondern nur um die Frage: Wie können wir Familie möglichst effizient an die Erfordernisse der Arbeitswelt anpassen?“, heißt es in einem von ihm mit erarbeiteten Papier, in dem die CDU zur Besinnung auf bürgerlich-konservative Positionen aufgerufen wird. „Wer an Maschinen oder Computern arbeitet, gilt in unserer Gesellschaft als produktiv. Die Arbeit für Menschen in der Familie verliert dagegen immer mehr an Anerkennung. Bürgerlich-konservative Familienpolitik muss diesem Trend entgegentreten.“
Politik braucht engagierte Christen
Um konservative Werte mehr in den Blick zu rücken, sind noch mehr Christen nötig, die sich dafür engagieren. Dafür macht sich Mißfelder stark. Es sei falsch, sich aus der Politik zurückzuziehen oder abzuspalten, sagte er gegenüber idealisten.net . Zwar habe man es in der Politik mit konservativen Ansichten manchmal schwer. „Aber das ist auch der Fall, wenn man andere politische Positionen vertritt.“ Man solle auf Gott vertrauen, dass man in seinem Engagement nicht alleine gelassen werde. Mißfelder rät jedem jungen Menschen, sich einzubringen, aus seiner Sicht am besten in der Union. In anderen Parteien fänden konservative Positionen erst gar kein Gehör. Mit Mißfelder hat die Union einen Nachwuchspolitiker, der das Potenzial für größere Aufgaben hat und die dafür nötige Standfestigkeit mitbringt. Bleibt zu hoffen, dass er den Mut behält, sich auch in der Politik zum Christentum zu bekennen.
philipp-missfelder.deSein politisches Leben kann Philipp Mißfelder ganz klar unterscheiden: in "davor" und "danach". Vor der provokanten Aussage war der Chef der Jungen Union überzeugter Konservativer, mit Helmut Kohl als positivem Übervater - "weil meine Lehrer den schlimm fanden, fand ich den automatisch gut" - und einer traditionellen Grundausrichtung. Sein Weltbild war eindeutig: Die CDU ist gut, die anderen sind die Gegner, und ganz besonders galt das für die Alt-68er. "Vom Hausbesetzer zum Hausbesitzer" hätten die sich entwickelt.
Das ganze Portrait lesen Sie hier.
philipp-missfelder.deAls Chef der Jungen Union musste Philipp Mißfelder schon viel einstecken. Umgefallen ist er nie. Das macht den 28-Jährigen besser als all die Karrieristen. Und aussichtsreicher.
Das ganze Portrait lesen Sie hier.
philipp-missfelder.deLesen Sie das Portrait über Philipp Mißfelder in der New York Times
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