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Reden im Deutschen Bundestag

Reden im Deutschen Bundestag

12. Rede im Deutschen Bundestag

21.02.2008

Mit dem Deutschen Computerspielepreis auf einem guten Weg
Rede zur Einführung des Deutschen Computerspielepreises


8.a) Beratung BeschlEmpf u Ber (22.A)
zum Antrag CDU/CSU, SPD
Wertvolle Computerspiele fördern,Medienkompetenz stärken
zum Antrag BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Hochwertige Computerspiele fördern und bewahren
- Drs 16/7116,16/7282,16/8033 -
8.b) Beratung Antrag DIE LINKE.
Fair-Work-Siegel für Commputerspiele
- Drs 16/8187 -

Herr Präsident!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Al­lein die Tatsache, dass der Präsident des Hauses bei die­ser Debatte anwesend ist, zeigt, dass mittlerweile auch ausgewiesene Kulturpolitiker der Union anerkennen, dass es sich bei Computerspielen um Kunst und Kultur­gut handelt.

(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNIS-SES 90/DIE GRÜNEN – Jörg Tauss [SPD]: Zufall!)

– Herr Tauss, Sie mögen an solche Zufälle glauben, ich tue das nicht.

Präsident Dr. Norbert Lammert:
Herr Kollege Mißfelder, aus meiner schieren Anwe­senheit eine solch weit reichende Schlussfolgerung her­zuleiten, ist jedenfalls kühn.

(Heiterkeit – Beifall der Abg. Monika Griefahn [SPD])

Philipp Mißfelder (CDU/CSU):
Ich bin mir sicher, dass die Kindergeneration unseres Präsidenten, zu der ich ja auch zähle, diese Anwesenheit trotzdem sehr zu schätzen weiß und dass sie das Genera­tionenproblem auflöst, das zwischen der Internet- und Computerspielgeneration und der Generation derjenigen besteht, die noch nie in ihrem Leben im Internet waren.

Ich finde es auch sehr positiv, dass heute Abgeordnete zu diesem Thema gesprochen haben, die bisher selbst selten im Internet waren und auch sonst wenig mit die­sem Thema zu tun hatten. Trotzdem erkennen sie an, dass wir mit diesem Preis auf dem richtigen Weg sind. Ich glaube tatsächlich – um mich den Vorrednerinnen und Vorrednern anzuschließen –, dass wir in den vergan­genen Monaten und Jahren die Debatte vielfach unter falschen Vorzeichen geführt haben. Dass viele, gerade auch ältere Familienpolitiker dieses Kulturgut nicht an­erkennen, ist Ausdruck der Verzweiflung darüber, dass sie ihre eigene Kindergeneration nicht verstehen.

Es gibt keinen wissenschaftlich nachgewiesenen Zu­sammenhang zwischen dem Spielen von Computerspie­len – auch von sogenannten Killerspielen – und Gewalt­exzessen, den konnte auch ein früherer Justizminister aus Niedersachsen nicht nachweisen, der sich auf diesem Forschungsfeld verdient gemacht hat und dort immer noch verdienstvoll tätig ist. Es nutzt der Sache allerdings nichts.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Jörg Tauss [SPD]: Ihr müsst nur noch Beckstein überzeugen!)

– Auch in unserer eigenen politischen Familie, Herr Tauss, haben wir sicherlich noch viel Überzeugungs­arbeit in diesem Bereich zu leisten.

(Jörg Tauss [SPD]: Das ist wahr!)

Dass die scheinbar einfache Lösung vorgeschlagen wird, Computerspiele zu verbieten, zeigt, dass insgesamt we­nig Verständnis mit Blick auf das Internet vorhanden ist. Verbote bringen in dieser Branche nichts. Gerade in ei­ner digitalisierten Welt gibt es keine Grenzen.

(Zuruf von der FDP: Das ist richtig!)

Ich finde es richtig, um an das anzuknüpfen, was Frau Griefahn gesagt hat, dass die Koalitionsfraktionen die­sen Preis auf den Weg gebracht haben. Eine kleine Kor­rektur muss trotzdem erlaubt sein. Nicht nur Sie und Herr Tauss waren dafür verantwortlich, sondern in erster Linie natürlich die Union, unser Kulturstaatsminister, Frau Bär und Herr Börnsen. Ich möchte mich selber von diesem Dank nicht ausschließen.

(Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU – Monika Griefahn [SPD]: Ohne Parlament hätte Herr Neumann das nicht gemacht, Herr Mißfelder! Das ist wirklich eine Parlaments­initiative! Sie sollten das Parlament nicht unter den Scheffel stellen!)

Ich verweise deshalb darauf, dass wir diesen Preis auf den Weg gebracht haben und in diesem Bereich in den nächsten Jahren sicherlich noch viel zu tun haben.

Ich glaube, es ist richtig, deutlich zu machen, dass Computerspiele auch Kulturgut und eine Ausdrucksform der Kunst sind. Dass dort öffentliche Aufklärungsarbeit geleistet werden muss, gerade um besonders wertvolle Computerspiele herauszustellen, halte ich für sinnvoll und erstrebenswert.

Ich glaube, dies ist eine der wenigen Debatten, bei der uns viele Jugendliche über das Internet – vielleicht auch über das Fernsehen, wenn diese Debatte dort überhaupt übertragen wird; ich wünschte mir, dass Parlamentsde­batten häufiger im Fernsehen übertragen werden – genau auf den Mund schauen, um zu erfahren, was die Politiker zu den für sie wichtigen Themen sagen. Die generelle Kriminalisierung einer ganzen Generation die Compu­terspiele macht, ist nämlich falsch und zeugt von wenig Verständnis für die Kinder. Deshalb finde ich diesen Preis und auch die heutige Debatte richtig.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord­neten der SPD)

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