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Reden im Deutschen Bundestag

Reden im Deutschen Bundestag

18. Rede im Deutschen Bundestag

28.05.2009

28.05.2009
Philipp Mißfelder

Lage im Kosovo deutlich besser
Rede zur Verlängerung des Kosovo-Einsatzes der Bundeswehr

 

7.) Beratung BeschlEmpf u Ber Auswärtiger Ausschuss
zum Antrag Bundesregierung
Fortsetzung der deutschen Beteiligung an der internationalen Sicherheitspräsenz im Kosovo auf der Grundlage der Resolution 1244 (1999) des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vom 10.06.1999 und des Militärisch-Technischen Abkommens zwischen der internationalen Sicherheitspräsenz (KFOR) und den Regierungen der Bundesrepublik Jugoslawien (jetzt: Republik Serbien) und der Republik Serbien vom 09.06.1999
- Drs 16/12881, 16/13204, 16/13216-

Frau Präsidentin!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Zunächst einmal möchte ich in dieser wichtigen Debatte den Soldatinnen und Soldaten für ihren Einsatz aus­drücklich unser aller Dank aussprechen, und zwar aus folgendem Grund: Manch einer mag den Eindruck ha­ben, dass die Verlängerung gerade dieses Mandats, weil es jetzt zum wiederholten Male stattfinden wird, ein Routinevorgang ist. Das ist es aus meiner Sicht nicht. Der Einsatz ist nach wie vor gefährlich. Die Situation ist für die Soldatinnen und Soldaten und gerade auch für ihre Angehörigen sicherlich nicht einfach. Deshalb möchte ich den Betroffenen an dieser Stelle als Erstes ei­nen Dank aussprechen.

(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Wir werden heute in namentlicher Abstimmung er­neut über eine Fortsetzung der deutschen Beteiligung an der internationalen Sicherheitspräsenz im Kosovo ab­stimmen. Ich möchte zu Beginn meiner Rede die Posi­tion unserer Fraktion deutlich machen: Wir werden die­ser Mandatsverlängerung zustimmen. 1999 wurde durch die rot-grüne Bundesregierung und die damalige parla­mentarische Mehrheit der fast schon historische Be­schluss gefasst, sich auf dem Balkan zu engagieren – mit Erfolg, wie man feststellen muss. Denn die Lage im Kosovo ist deutlich besser geworden.

Besonders seit der Verabschiedung der Unabhängig­keitserklärung am 17. Februar 2008 hat sich die Ent­wicklung positiv verstetigt. Erfreulich ist vor allem, dass es an dem Tag, an dem sich die Verabschiedung der Un­abhängigkeitserklärung jährte, weder zu einer Eskalation der Situation noch gar zu einer Destabilisierung der mili­tärischen oder politischen Lage gekommen ist. Vielmehr liegt das Wirtschaftswachstum im Kosovo trotz der welt­weiten Wirtschafts- und Finanzkrise bei über 3 Prozent. Das Kosovo ist mittlerweile Mitglied des Internationalen Währungsfonds und hat deshalb Zugang zu Krediten. Die Voraussetzungen für politische Stabilität sind positiv zu beurteilen, da die ökonomische Stabilität weitaus bes­ser ist, als es noch vor zehn Jahren der Fall war. Insofern ist dies ein großer Erfolg der Menschen im Kosovo, aber natürlich auch derjenigen Freunde und Partner, die die Menschen und die gemäßigten politischen Kräfte dort unterstützen, also ein Erfolg derjenigen, die Truppen für einen Einsatz im Kosovo bereitstellen.

Das Kosovo hat zudem eine Verfassung, die die Min­derheitenrechte besonders der Serben ausdrücklich schützt. Das ist natürlich eine Voraussetzung für politi­sche Zusammenarbeit und lässt für die Zukunft hoffen.

Insbesondere durch die EULEX-Mission der Europäi­schen Union wird im Kosovo im Bereich der Polizei und der Justiz mehr Rechtsstaatlichkeit aufgebaut. Gerade dieser Aspekt ist neben dem militärischen Engagement für unseren Ansatz sehr wichtig und lässt uns für die Zu­kunft optimistisch sein, dass die Situation im Kosovo stabil bleibt. Die Sicherheit ist nicht akut gefährdet; aber sie bleibt dennoch instabil. Deshalb ist dieses Engage­ment weiterhin notwendig.

In Gesprächen mit Menschen aus dem Kosovo, die im Rahmen von Besuchergruppen einzelner Stiftungen zu uns kommen, oder in Gesprächen anlässlich von Besu­chen von Partnerorganisationen auf europäischer Ebene stellt man immer wieder fest, dass die Spannungen zwi­schen den Volksgruppen keineswegs abgebaut sind, selbst wenn jetzt Stabilität herrscht. Deshalb müssen wir darauf achten, dass dieser Einsatz auch in Zukunft Er­folg hat und dass die Grundvoraussetzungen für Stabili­tät und Zusammenarbeit in dieser Region vorhanden bleiben.

Die Verwirklichung von Rechtsstaatlichkeit und poli­tischer Stabilität kann nur dann gelingen, wenn das Kosovo eigene Erfolge hat. Deshalb ist es ein ganz be­sonders wichtiger Aspekt, dass eigene militärische Kräfte aufgebaut werden. So ist es besonders erfreulich, dass der Aufbau der Kosovo Security Force sehr weit vorangeschritten ist und dass die professionelle Unter­stützung beim Aufbau dieser Strukturen und bei der Be­schaffung der Ausrüstung sehr stark an NATO-Standards ausgerichtet ist. Das ist ein Vorteil für die Zukunft des Kosovos.

Dass der Umfang dieses Engagements jedoch dauer­haft zurückgehen muss, dokumentieren wir in folgender Weise: Wir reduzieren die Personalobergrenze von 8 500 auf 3 500 Soldatinnen und Soldaten. Aktuell sind 2 200 Männer und Frauen, die der Bundeswehr angehö­ren, im Kosovo. Auch daran sieht man, dass unser Enga­gement auf Dauer – das ist die politische Aussage der Reduzierung der Personalobergrenze – einen anderen Umfang haben wird, als das noch vor einigen Jahren der Fall war.

Für die Zukunft der Europäischen Union ist es von entscheidender Bedeutung, dass auf dem Balkan Stabili­tät herrscht und die Entwicklung auf dem Balkan – in­nerhalb der einzelnen Länder, aber auch im Miteinander der Staaten – so weit voranschreitet, dass Konflikte nicht wieder auftreten können. Es ist wichtig, dass Deutsch­land einen Beitrag zur Entwicklung dieser Länder leistet, und zwar in den aufgezeigten Bereichen: Aufbau der Polizeigewalt, Aufbau der Rechtsstaatlichkeit und Auf­bau eigener militärischer Strukturen. Eine Unterstützung unsererseits ist weiterhin notwendig. Heute dokumentie­ren wir, dass dies kein leeres Versprechen ist, sondern dass sich Deutschland auch in Zukunft stark engagieren wird. Es ist keine Kleinigkeit, wenn wir heute beschlie­ßen, weiterhin deutsche Soldaten im Ausland zu statio­nieren.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord­neten der SPD)


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