CDU

Weitere Artikel

Reden im Deutschen Bundestag

Reden im Deutschen Bundestag

21. Rede im Deutschen Bundestag

26.11.2009

26.11.2009

Philipp Mißfelder

Weitere Aufrüstung islamistischer und israelfeindlicher Terrorgruppen verhindern
Rede zum UNIFIL-Einsatz vor der Küste Libanons

 

6.) Beratung Antrag Bundesregierung
Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) auf Grundlage der Resolution 1701 (2006) vom 11.08.2006 und folgender Resolutionen, zuletzt 1884 (2009) vom 27.08.2009 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen
- Drs 17/40 -

Herr Präsident!
Meine lieben Kolleginnen und Kolle­gen!

Zunächst einmal möchte ich mich an meinen Vorred­ner wenden. Herr Gehrcke, auch ich bin froh, dass es zu keiner Handlung kommen musste, durch die eine größere Gefahr für deutsche Soldatinnen und Soldaten entstanden wäre. Ebenso bin ich froh, dass wir, schon aufgrund der Tatsache, dass deutsche Soldaten dort keine Waffen auf­spüren konnten, wahrscheinlich richtigerweise den Schluss ziehen können, dass weniger Waffen geschmuggelt wer­den. Auch wenn es entsprechende Vorfälle gibt, glaube ich, dass schon allein durch die Präsenz der Soldaten der Schmuggel reduziert worden ist. Auch die vielfachen Kontrollen auf den Schiffen, die erbracht haben, dass dort keine Waffen waren, legen den Schluss nahe, dass der Schmuggel insgesamt zurückgegangen ist. Insofern ist der Einsatz auch der deutschen Soldaten ein großer Er­folg.

Ich habe nicht ganz verstanden, wie Sie es geschafft haben, in Ihrem Beitrag all das, was Sie in der Nahost­politik im Allgemeinen beschwert, einzubringen. Es wäre besser gewesen, Sie hätten sich mit UNIFIL aus­einandergesetzt – Sie sagen ja, dass Sie grundsätzlich kein Problem mit UNIFIL haben, dass Sie das Mandat angeblich allzeit begrüßt hätten –, statt hier in eine allge­meine Kritik an der Bundesregierung zu verfallen, bei der Sie die Gespräche außer Acht lassen, die der Bun­desaußenminister in dieser Woche in Israel geführt hat. Ich glaube, bei dieser Reise ist die Position der Bundes­regierung gegenüber Israel sehr klar geworden. Israel ist einer unserer engsten Freunde. Kritik ist deshalb nicht verboten. Herr Bundesaußenminister, ich möchte, auch im Namen meiner Fraktion, die Gelegenheit nutzen, Ih­nen für diese Reise, diesen schwierigen Besuch in Israel, zu danken. Man kann die Reise durchaus als Erfolg be­zeichnen. Sie war ein guter Start in Ihrem neuen Amt. Deshalb herzlichen Dank von unserer Fraktion!

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Die Gründe, die zu diesem Mandat geführt haben, be­stehen weiterhin. Denn obwohl sich die innen- und au­ßenpolitische Situation im Libanon seit der letzten Ver­längerung des UNIFIL-Mandates durch den Bundestag im September 2008 grundsätzlich verbessert hat, bleibt die Lage instabil. Das wird zum Beispiel auch daran deutlich, dass die Leitung des Hauptquartiers der UNIFIL-Mission zu Protokoll gibt, dass die Situation im Südlibanon nach wie vor sehr besorgniserregend ist. Man kann klar erkennen, wie groß die Akzeptanz des Einsatzes auf beiden Seiten ist. In den Gesprächen mit unseren israelischen Freunden wird immer wieder an uns herangetragen, wie wichtig der deutsche Beitrag und der Einsatz insgesamt sind. Auch libanesische Besuche­rinnen und Besucher in Deutschland machen deutlich, dass sie sehr großen Wert darauf legen, dass wir diesen Beitrag leisten, und dass der UNIFIL-Einsatz insgesamt nach wie vor notwendig und unverzichtbar ist. Ich glaube, dass dies in dieser Debatte bisher sehr deutlich geworden ist.

Vordringliche Aufgabe dieser Mission bleibt es, die weitere Aufrüstung islamistischer und israelfeindlicher Terrorgruppen zu verhindern und – das ist in der innen­politischen Situation, in der sich der Libanon befindet, ebenfalls wichtig – den libanesischen Staat beim Aufbau eigener Sicherheitsstrukturen zu unterstützen, was ange­sichts der Tatsache, dass auch die Hisbollah in der Re­gierung ist, von Grund auf keine einfache, sondern eher eine schwierige Aufgabe ist. Eine erneute Aufrüstung dieser Terrorgruppen wäre für die gesamte Stabilität im Nahen Osten fatal und würde das Erreichte gefährden. Deshalb ist die Fortführung der UNIFIL-Mission so wichtig. Ich werbe hier daher für eine breite Zustim­mung zu diesem Einsatz, der nach wie vor notwendig ist.

Die Hisbollah – ich sprach sie gerade an – stellt heute 14 von 128 Abgeordneten im libanesischen Parlament und bekleidet zwei Ministerposten in der aktuellen liba­nesischen Regierung. Deshalb ist es ein besonderes Signal, wenn wir denjenigen Kräften im Libanon unsere Hilfe zusagen, die sie nach wie vor für notwendig halten. Dabei kommt der Evaluierung dieses Einsatzes mit Blick auf die innenpolitische Situation im Libanon besondere Bedeutung zu.

Auch wenn die Lage gefährlich und instabil bleibt, gibt es doch Fortschritte. Die Konfliktparteien akzeptie­ren die Waffenstillstandsresolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen weiterhin als Grundlage, um eine erneute Eskalation zu unterbinden. Dieser stabile Waf­fenstillstand an der Grenze zwischen Israel und Libanon bleibt eine wichtige Voraussetzung für die Lösung des Konflikts zwischen Israel und dem Libanon. Er ist auch eine Grundvoraussetzung für weitere Friedensgespräche zwischen Israel und seinen palästinensischen Nachbarn.

UNIFIL hat mit deutscher Beteiligung die ihr zuge­wiesenen Aufgaben erfolgreich erfüllt. Der Herr Bun­desverteidigungsminister hat sich bei den Soldatinnen und Soldaten angesichts der heiklen Umstände beim Zu­standekommen dieses Einsatzes zu Recht bedankt. Ich glaube, dass wir unter Beachtung der Frage, ob dieser Einsatz überhaupt erwünscht ist, die richtige Entschei­dung getroffen haben. Die Soldatinnen und Soldaten werden ihrer großen Verantwortung mit Blick auf die deutsche Geschichte in vollem Umfang gerecht und tra­gen damit zu einer Akzeptanz Deutschlands in der ge­samten Region, also sowohl in Israel als auch im Liba­non, enorm bei.

Der UNIFIL-Flottenverband hat in enger Kooperation mit der libanesischen Marine den Waffenschmuggel auf dem Seeweg wirksam verhindert. Dieser Aspekt ist be­sonders wichtig, wenn wir darüber diskutieren wollen, was der Begriff „vernetzte Sicherheit“ überhaupt bedeu­tet. Ich glaube, dass der UNIFIL-Beitrag, den Deutsch­land an dieser Stelle leistet, deutlich macht, was ver­netzte Sicherheit bedeuten kann. Es ist wichtig, das Zusammenwirken verschiedener Bereiche deutlich he­rauszustellen. Dazu gehören Zollaufgaben, klassische militärische Aufgaben und Grenzüberwachungsaufga­ben. In diesen Bereichen ist vernetzte Sicherheit tatsäch­lich umsetzbar und auch operativ durchführbar.

Allein dieser Erkenntnisgewinn zeigt, dass wir uns in der praktischen und in der operativen Ausrichtung der Bundeswehr auf dem richtigen Weg befinden und dass dieser Einsatz Modell für andere Einsätze in der Zukunft sein kann. Vernetzte Sicherheit bedeutet aus unserer Sicht eben nicht nur, die militärische Komponente zu se­hen, sondern auch, andere Bereiche mit einzubeziehen. Deshalb halte ich es für richtig, ganz genau hinzu­schauen, wie sich dieser Einsatz entwickelt, zu evaluie­ren, ob er auch im neuen Mandatszeitraum erfolgreich ist, sich zu fragen, wie man ihn erfolgreicher gestalten kann, und daraus die Konsequenzen für weitere Schritte abzuleiten.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

 

Die Rede im Parlamentsfernsehen

philipp-missfelder.de

zurück
www.Philipp-Missfelder.de - alle Rechte vorbehalten Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2005