CDU

Weitere Artikel

Reden im Deutschen Bundestag

Reden im Deutschen Bundestag

8. Rede im Deutschen Bundestag

29.03.2007

Frau Präsidentin!
Sehr verehrte Damen und Herren!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Der Klimawandel ge­hört sicherlich zu den zentralen Herausforderungen unseres Jahrhunderts und ist deshalb als prioritär anzuse­hen. Ich glaube, auch heute wird niemand ernsthaft bestreiten, dass die Erderwärmung im Wesentlichen vom Menschen verursacht worden ist. Umso wichtiger ist es, dem dringend notwendigen Handlungsbedarf gerecht zu werden. Das tun wir, wie wir es hier in den vergangenen Wochen mit zahlreichen Debatten zum Thema Klima­wandel gezeigt haben.

(Ulrich Kelber [SPD]: Debatte reicht nicht!)

– Herr Kollege Kelber, Sie und Ihre Fraktion wissen ge­nauso gut wie ich, dass wir schon mit dem, was wir auf der Konferenz der europäischen Staats- und Regierungs­chefs unter Führung unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel beschlossen haben, auf dem richtigen Weg sind. Das reicht mit Sicherheit nicht aus, aber wir werden uns weiter anstrengen. Ich glaube, das war ein großer Erfolg, auf den sowohl die SPD als auch die CDU/CSU zu Recht stolz sein können.

(Beifall bei der CDU/CSU – Ulrich Kelber [SPD]: Sie müssen es jetzt noch in Instrumente umsetzen!)

– Ja, das werden wir auch tun. Herr Kelber, nach zwei Minuten sind Sie schon auf zwei Zwischenrufe gekom­men. Die von Ihnen angekündigten elf werden Sie si­cherlich schaffen.

Allerdings erwarte ich gerade von den Kolleginnen und Kollegen von den Grünen, sich mit dieser Frage in ihren Anträgen mit der gleichen Ernsthaftigkeit wie wir zu beschäftigen. Zu Ihren Anträgen möchte ich an dieser Stelle sagen: Beziehen Sie sich doch einfach einmal auf das, was die in Ihrer Regierungszeit von Ihnen benannten Experten Ihnen gesagt haben – wir sollten einfach einmal zurückblicken –: Der Vorstandsvorsitzende des Windrad­herstellers Repower Systems AG, Fritz Vahrenholt, hat als Mitglied des Parlamentarischen Beirats für nachhal­tige Entwicklung schon vor zwei Jahren gesagt, dass die Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke sinn­voll ist.

(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ­NEN]: Natürlich! Es gibt auch bei Ihnen welche, die gegen Atomkraft sind!)

Ihre These, dass gerade die Laufzeitverlängerung dem Ausbau regenerativer Energieträger im Wege steht, ist einfach falsch. Das möchte ich gleich an mehreren Bei­spielen deutlich machen. Ich glaube, dass Sie sich mit dieser Frage ernsthafter auseinandersetzen sollten, als es bisher der Fall war.

(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ­NEN]: Sie als Klimaexperte werden das wis­sen!)

Sie sollten zur Kenntnis nehmen, dass – das hat ein­fach physikalische Gründe – die Nutzung von Kernkraft CO2-Ausstoß vermeidet.

(Ulrich Kelber [SPD]: Das ist falsch!)

Das räumen selbst erklärte Gegner der Atomenergie ein.

(Ulrich Kelber [SPD]: Nein!)

Vor wenigen Wochen hat sich selbst das Öko-Institut, das wirklich dafür bekannt ist, gegen Kernkraft zu sein, dazu ganz deutlich geäußert und verschiedene Alterna­tiven genannt. Der CO2-Ausstoß eines Kernkraftwerkes liegt bei 32 Gramm pro Kilowattstunde Strom. Ich glaube, dass wirklich niemand in Abrede stellen kann, dass Atomkraft klimafreundlicher ist als zum Beispiel Kohlekraft.

(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ­NEN]: Sie kommen aber noch zum Thema, oder?)

– Ja, natürlich. Ich äußere mich zu dem, was in Ihrem Antrag steht.

Es ist wichtig, die Frage der regenerativen Energie­träger im Gesamtzusammenhang eines geschlossenen Energiekonzepts zu sehen. Nur regenerative Energieträ­ger zu fordern, ohne zu sagen, dass die Abschaltung der Kernkraftwerke ohne Ersatz letztendlich gar nicht mög­lich sein wird, reicht aus meiner Sicht nicht aus. Würde man Ihrem Vorschlag folgen, würde die Energieabhän­gigkeit von anderen Ländern auf Dauer nämlich erhöht. Wir wollen weder wieder stärker von fossilen Energie­trägern abhängig werden, noch wollen wir stärker vom Ausland abhängig sein. Wenn Sie Vorschläge zur Ab­schaltung der Kernkraftwerke machen, müssen Sie sa­gen, wie Sie die Kernenergie auf Dauer ersetzen wollen.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord­neten der FDP)

Wie wir sehen, weisen viele momentan getroffene Unternehmensentscheidungen – auch auf Basis des Ko­alitionsvertrages –, in absehbarer Zeit Kernkraftwerke abzuschalten, eher in eine andere Richtung als in die von Ihnen befürwortete, nämlich regenerative Energien aus­zubauen. Überall, wo Atomkraft in Zukunft nicht mehr verwendet werden soll, werden Unternehmensentschei­dungen vorbereitet, die auf Kohlekraftwerke setzen. Das hat mit Klimafreundlichkeit überhaupt nichts zu tun.

(Winfried Hermann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ­NEN]: Das ist wahr!)

Ich teile Ihre Kritik an der Industrie in vieler Hinsicht. Aber man muss doch sehen, wie sich die Entwicklung vollzieht. Wenn man aus der Kernenergie aussteigt, dann kommt es doch nicht automatisch zu einem höheren An­teil der regenerativen Energien. Vielmehr wird dadurch der Anteil der fossilen Energieträger gestärkt, und das ist klimaunfreundlich. Das wollen wir hier in diesem Hause nicht.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Sie betreiben in Ihrem Antrag verschiedene Zahlen­spiele. Basis der Zahlenspielereien in Ihrem Antrag sollte aber die Realität sein. Ein Beispiel: In Ihrem An­trag schreiben Sie, dass die Kernkraft in Deutschland nur 6 Prozent der gesamten Energieerzeugung abdecke. Aussagekräftiger ist allerdings – das muss ich hier wirk­lich feststellen – der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung: Daran hat die Kernenergie im Ver­gleich zu allen anderen Energieträgern mit 27 Prozent den größten Anteil, und das ist der eigentliche Maßstab. Würden Sie Ihren Ansatz auf die Fotovoltaik anwenden – dort legen Sie ganz andere Zahlen zugrunde –, dann würden Sie bei Ergebnissen im Promillebereich landen. Deshalb sage ich Ihnen: Versuchen Sie nicht, die Debatte durch unterschiedliche Berechnungen, wie Sie sie in Ih­rem Antrag angestellt haben, unnötig zu erschweren.

Ich glaube, dass Sie sich damit keinen Gefallen getan haben, weil Ihr Antrag in der Frage „Regenerative Ener­gien und Kernenergie“ nicht so konsistent ist wie Ihre Argumentation vielleicht an anderen Stellen.

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage der Kollegin Kotting-Uhl?

Philipp Mißfelder (CDU/CSU):
Ja, sehr gern.

Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Herr Mißfelder, Sie haben Ihren Beitrag mit einem ausführlichen Bezug auf den Klimawandel eingeleitet. Stimmen Sie mit mir darin überein, dass wir dann, wenn wir vom Klimawandel und von der Notwendigkeit spre­chen, Energie einzusparen, nicht allein vom Strom reden dürfen, sondern immer alle Bereiche, in denen wir Ener­gie brauchen, betrachten müssen, dass insofern durchaus auch relevant ist, was eine bestimmte Energieerzeu­gungsart für den gesamten Energieverbrauch bedeutet?

Philipp Mißfelder (CDU/CSU):
Ja, da stimme ich mit Ihnen überein.

(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ­NEN]: Danke!)

Das habe ich aber auch gar nicht in Abrede gestellt. Ich bin nur der Meinung: Bei verschiedensten Gradmessern, die Sie zugrunde legen, und bei allen Formulierungen sollten Sie darauf achten, dass Sie an die Kernenergie letztlich den gleichen Maßstab anlegen wie an die Foto­voltaik oder andere regenerative Energieträger. Das ist das, was ich Ihnen vorgeworfen habe. In der Sache stimme ich Ihnen da zu. Ich glaube, dass wir den Anteil der regenerativen Energien auf Dauer erhöhen müssen; das ist auch bei uns nicht umstritten. Trotzdem muss man realistisch bleiben.

Zu diesem Realismus gehört aus meiner Sicht: Wir müssen sehen, dass der technische Stand der regenerati­ven Energien noch gar nicht so weit ist, wie Sie das in Ihren Anträgen voraussetzen. Das Entscheidende beim Ersatz der Kernenergie ist doch: Was ist überhaupt grundlastfähig? Darüber müssen wir reden.

Die Grundlastfähigkeit der regenerativen Energieträ­ger ist eben nicht gegeben. Es grenzte an ein physikali­sches Wunder, wenn man die Kernenergie, die grundlast­fähig ist, ohne Weiteres durch regenerative Energieträger, die eben nicht grundlastfähig sind, ersetzen könnte. Das setzen Sie aber voraus. Deshalb müssen wir bei der Ener­gieversorgung in Deutschland darauf achten, dass wir die Debatte doch eher in einer anderen Richtung führen. Wir müssen fragen: Was ist realistisch? Wo können wir mehr für regenerative Energien tun? – Ich glaube, dass Geo­thermie, Wasserkraft, Biomasse in Zukunft eine viel grö­ßere Rolle spielen werden, als das momentan der Fall ist.

Dazu hat die Union auch Vorschläge gemacht. Wir bieten ausdrücklich an: Wenn die Laufzeitverlängerung kommt, treffen wir mit der Industrie eine neue Vereinba­rung, und zwar dahin gehend, dass das, was an zusätzli­chen Gewinnen dadurch zu erwarten ist, in die regenera­tiven Energien investiert wird.

(Marco Bülow [SPD]: Die wird dann wieder nicht eingehalten – wie diese!)

Das Ganze ist letztlich eine Finanzierungsfrage. Die Fi­nanzmittel, die dafür notwendig sind, muss man mobili­sieren.

(Beifall der Abg. Marie-Luise Dött [CDU/ CSU])

Davon sind Sie weit entfernt.

(Ulrich Kelber [SPD]: Was Sie vorschlagen, das nennt man im Kartellrecht Marktmacht­übertragung! Das ist eine Straftat!)

Ich möchte mich auch Ihrem zweiten Antrag widmen. Sie haben in Ihrem Antrag zur Sicherheit von Kraft­werken in Deutschland in Bezug auf terroristische An­schläge aus meiner Sicht ein falsches Zitat verwandt. Zunächst einmal muss ich sagen, dass Sie bei den Anfra­gen, die Sie zitieren, auch die Drucksachennummer an­geben sollten, damit man überprüfen kann, auf welche Anfrage Sie sich letztlich beziehen. Es ist zwar eigent­lich kein Problem, das herauszufinden; trotzdem war es an dieser Stelle besonders schwierig, weil Sie in der Tat nicht vollständig zitiert haben.

In der Drucksache 16/1249 – das ist die Antwort auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Fell, Loske, Kotting-Uhl und weiterer Abgeordneter – steht als Ant­wort auf Ihre Frage 12 folgender Satz:
Hinweise und Einschätzungen internationaler Orga­nisationen werden bei der Gefährdungsbewertung der Situation Deutschlands berücksichtigt. Aktuell liegen aber keine Hinweise vor, aus denen sich eine unmittelbare Gefährdung von Kernkraftwerken oder die beabsichtigte Verwendung einer schmutzi­gen Bombe in Deutschland herleiten ließen.

(Beifall der Abg. Marie-Luise Dött [CDU/ CSU] – Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Das relativiert doch nichts!)

Ich schließe nicht aus, dass es zu solchen Bedrohun­gen kommt. Diese Antwort beruht aber doch offenbar auf einer umfassenden Sicherheitsanalyse. Dann einfach zu schreiben, dass diese realistische Bedrohung automa­tisch vor der Tür stehen würde, halte ich dann doch schon für fahrlässig. Das muss ich Ihnen an dieser Stelle vorwerfen. Stützen Sie sich doch auch auf die Sicher­heitserkenntnisse, die vorhanden sind, die es weiterhin gibt, und auf die Auskünfte an dieser Stelle, ohne Panik zu machen!

Abschließend: Sie haben den 11. September 2001 an­gesprochen. Damals haben Sie regiert.

(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es ist ja ein Konzept eingefordert worden!)

Wenn die terroristische Gefahr so unmittelbar gewesen wäre, dann hätten Sie auch damals schon reagieren kön­nen.

(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ­NEN]: Das ist ein billiges, albernes Argu­ment!)

Heute aus der Opposition heraus solche Anträge zu stel­len, ist utopisch. Sehr viel Fantasie steckt dahinter, aber nun wirklich wenig Realitätssinn.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU)


Stream

philipp-missfelder.de

zurück
Suche

Aktuelles


Polixea

Suchdienst für Politik


www.Philipp-Missfelder.de - alle Rechte vorbehalten Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2005